Wenn ich schreibe …

Eigene Geschichten schreiben, mit anderen darüber diskutieren, Tipps und Tricks über das Schreiben austauschen – in der Internationalen Jugendbibliothek ist eine neue Runde der Werkstatt für junge Autorinnen und Autoren angelaufen.
Beim zweiten Treffen  haben wir schreibend über das Schreiben nachgedacht: Was bedeutet es mir und wie erlebe ich mich selbst dabei? Hier zwei Antworten von Luis und Fiona.

Wenn ich schreibe, bin ich mitten in meiner Geschichte. Ich sehe vor meinen Augen, wie alle meine Figuren miteinander sprechen; sehe, was sie erleben. Manchmal erlebe ich es auch selbst! Ich verliere jedes Zeitgefühl und merke gar nicht, dass es beispielsweise dunkel wird. Am liebsten schreibe ich in meinem Zimmer, oder draußen im Garten. Ich habe es gern still, aber manche Geräusche, zum Beispiel Musik oder Vogelgezwitscher, inspirieren mich. Ich schreibe meist mit meinem Rechner, weil ich dann nicht immer alles neu schreiben muss, wenn mir ein Fehler unterlaufen ist. Während ich unterwegs bin, überlege ich mir oft, wie es in meiner Geschichte weitergehen könnte. Manchmal formuliere ich es schon aus. Dann „rede“ ich meine Geschichte (und schreibe sie nicht); aber das mache ich nur, wenn ich in einer einsamen Straße bin! Obwohl ich mit meinem Rechner schreibe, versuche ich nichtsdestotrotz meine Handschrift immer wieder zu verbessern. Ich bin darauf bedacht, dass sich meine Handschrift möglichst von der der anderen unterscheidet. So mache ich als großes I nicht einfach nur einen Strich, sondern setze an seine Enden jeweils noch kleine Querstriche, sodass der Buchstabe wie eine römische 1 aussieht.
Luis Kirchner

Wenn ich schreibe, dann weiß ich plötzlich Dinge, die ich gar nicht wissen kann. Mein Herz schlägt anders, als es das sonst tut, als es das bei einer 17-jährigen Schülerin normal tut.
Mein Herz schlägt für andere Dinge, als es das bei einer luxusgewöhnten, zukunftsorientierten Bürgerin vielleicht tut.
Mein Herz schlägt woanders, als es das bei einem einfachen, unbedeutenden, deutschen Mädchen tut.
Ich weiß, wenn ich mir mit den Kopfhörern die Ohren verschließe und mich von der Musik und den Schwingen meiner Fantasie (ja, dasselbe, wenn ich lese) durch mein Dachfenster irgendwohin tragen lasse, wo ich noch nie war und so vielleicht auch gar nicht hinmöchte oder vielleicht schon, dann bekomme ich einen ganz seltsamen Blick, der den Leuten, die mich und diese meine Momente nicht kennen, vielleicht Angst macht. Denn diese Leute wissen dann nicht, was ich sehe.
Wenn sie mich ansprechen, bin ich entweder ungeduldig, gereizt oder ich säusle in einer Stimme und Sprache, die nicht mir gehört, sondern meinem Charakter, irgendwelche komischen Antworten.
Dann kennen mich die Leute nicht mehr. Ich bin keine 17-jährige Schülerin mehr, denke nicht mehr an morgen und ich fühle mich nicht mehr so unbedeutend.
Auf einmal habe ich nicht nur eine Geschichte.
Auf einmal bin ich tausende Geschichten.
Fiona Fischer

Schreibwerkstatt Juli 2015 (1)

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